look.anorexia




  Startseite
  Über...
  Archiv
  Links
  Gästebuch
  Abonnieren
 



  Freunde
   
    my-bloodless-suicide

   
    weg-zum-ich

    - mehr Freunde




  Letztes Feedback
   1.03.13 02:13
    sycinpnq
   1.03.13 02:13
    sycinpnq
   1.03.13 02:14
    sycinpnq
   6.03.13 11:48
    {Emotic(jump)}
   4.02.14 10:04
    cool
   27.02.17 10:11
    Die Manner und die Fraue



http://myblog.de/look.anorexia

Gratis bloggen bei
myblog.de





Nur Muskeln, Haut und Knochen: Essstörungen sind im Ballett Alltag und Tabu zugleich

Nur Muskeln, Haut und Knochen:
Essstörungen sind im Ballett Alltag und Tabu zugleich

Profitänzerinnen dürfen in den meisten Kompanien nur 75 bis 80 Prozent des normalen Körpergewichts haben. Ideal ist der weibliche Körper dann, wenn er nicht weiblich, sondern knabenhaft androgyn aussieht. Also wird gehungert.

Das Ideal des »Schwebenden, von Fleischlichkeit Losgelösten« (Liane Simmel) hat im klassischen Tanz Tradition. Noverre-Schüler Charles Didelot ließ 1796 Tänzer an unsichtbaren Drähten über die Bühne schweben; Marie Taglioni tanzte schon 1832 als Sylphide überirdisch leicht und körperlos auf den Spitzen. In der Wohlstandgesellschaft des dritten Jahrtausends wird im klassischen Ballett der allgemeine Schlankheitswahn auf die Spitze getrieben. Zahllose Ballettschülerinnen hungern sich unreflektiert dem Ideal entgegen. Kaum eine/r sagt ihnen, wie gefährlich und kontraproduktiv dies für ihre Karriere ist.

Essstörungen sind im klassischen Ballett allgegenwärtig und werden doch totgeschwiegen. Hungern wird als notwendiges Übel akzeptiert und praktiziert. Denn Tanzen macht per se nicht schlank. Ein Balletttraining »kostet« nach Angaben der Sportmedizinerin Eileen Wanke ganze 250 Kilokalorien. Tanzen verbraucht wenig Energie. Das Training im klassischen Ballett - kurze Hochbelastung, viele Pausen - greift allein die Zuckerspeicher, nicht die Fettreserven an. Hungerei und Diäten aber sind die Einstiegsdroge für Essstörungen, Defizite steigern die Gier nach Essen, und die Sucht nach Leichtigkeit kann sich zur Magersucht verselbständigen.

Während in der Gesamtbevölkerung ein bis zwei Prozent der Mädchen und jungen Frauen magersüchtig sind, ist es nach einer neueren Studien ein Viertel aller Ballettstudentinnen; weitere 14 Prozent sind ess-brech-süchtig. Eine andere Studie ermittelte Essstörungen bei 19 Prozent aller Balletttänzerinnen und 26 Prozent aller Tanzstudentinnen.

Expertinnen wissen, dass kaum eine Tänzerin mit ihrem Körper zufrieden ist, und das beginnt schon früh. Alles, was Pubertät ausmache, so Simmel, sei schlecht für die Tanzkarriere: »Sie dürfen keinen Busen, keine weiblichen Formen kriegen. Die Menstruation stört ja eigentlich auch - also bitte alles weg! Während es bei Männern genau umgekehrt ist: Die entwickeln die Kraft, die kriegen dann auch bisschen eine Männlichkeit, so was will man auf der Bühne sehen.«

Magersüchtige sind meist überehrgeizig, stark diszipliniert und leistungsorientiert. Es seien »Persönlichkeiten, die sich beweisen wollen, dass sie mit Willen ihren Körper beherrschen können«, meint Simmel. Das passe hervorragend zum klassischen Training, »weil ich mich da ja auch körperlich züchtige, immer über meinem Körper stehen will - es ist die gleiche Lebensauffassung.«

Mangel-, Fehlernährung und Essstörungen aber bleiben nicht ohne Folgen. Simmel kennt eine heute 30jährige Tänzerin, die mit zwölf Jahren Magersucht hatte und deren Wachstum bei 1,40 Meter stagnierte - sicher ein Extremfall. Häufig dagegen ist Knochenschwund (Osteoporose), eine Krankheit, an der eigentlich vorwiegend ältere Menschen leiden, etwa 6 bis 8 Millionen in Deutschland.

»Tanzstudentinnen haben durch ihren beruflichen Bewegungsreichtum einen relativ guten Schutz vor diesem späteren Abbau der Knochenmasse«, sagt der Darmstädter Gynäkologe Jürgen Strunden. Aber Leistungssport wie Ballett in Kombination mit Fehl- oder Mangelernährung, starkem Untergewicht und Essstörungen störe die Hormonproduktion. Bei vielen Tänzerinnen ist die Periode unregelmäßig oder bleibt über Jahre aus. Funktioniert der Hormonhaushalt nicht, fehlen die biochemischen Voraussetzungen für den Einbau des Kalks in den Knochen.

Bewegung und Belastung stabilisiert zwar die Knochen, doch die Aufbaustoffe fehlen. »Kaum eine Tänzerin hat so eine gute Knochendichte, wie man eigentlich annehmen müsste«, sagt Simmel, »manche jungen Mädels mit 16, 18 Jahren haben schon Stressfrakturen«. Eine spät einsetzende Periode und wechselhafte Blutungen in jungen Jahren sind nach Götz Lehle, Arzt, Chirotherapeut und Osteopath, »mit großer Wahrscheinlichkeit prädestinierende Faktoren für eine Osteoporose im späteren Lebensalter.« Der Hormonmangel durch Untergewicht und Hungern ist verantwortlich für frühe Wechseljahre, Unfruchtbarkeit und ungewollte Kinderlosigkeit.

Diäten, Abführmittelkonsum und Essstörungen können zudem chronische Funktionsstörungen der Verdauungsorgane Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, und dadurch Mangelerscheinungen bewirken. Haut und Haare werden trocken und spröde, es treten diffuse Rücken- und Gelenksbeschwerden auf, die Infektanfälligkeit steigt. Bei den durchscheinenden Geschöpfen aus Muskeln, Haut und Knochen ist der Stoffwechsel auf Abbau. Verletzungen wie Muskelfaserrisse und Zerrungen verheilen bei ihnen viel langsamer.

Prävention wäre nötig, und die bedeutet in der Tanzwelt nichts anderes als außerhalb. Nur ist sie in der Geschlossenen Gesellschaft des Klassischen Balletts noch schwerer durchzusetzen. »Tänzer sollten bestärkt werden, sich frei auszudrücken, selbstbestimmend zu werden und ihr Selbstwertgefühl zu verbessern«, fordert die britische Psychologin Julia Buckroyd. »Diese Veränderungen werden viel Mut verlangen.«

 

Quelle

24.6.10 23:35
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung